Vor 2 Jahren hätte ich noch mit Sicherheit behauptet, dass ich kein Morgenmensch bin. Morgens kriege ich einfach nichts so richtig hin. Dachte ich damals. Doch ich muss mich korrigieren. Denn im Moment ist der Morgen meine effektivste Zeit. Was ist passiert? Was als kleines Experiment begann, hat sich als feste Routine in meinem Alltag etabliert. Doch warum ist das so? Gibt es dafür eine Erklärung? Kann das im Prinzip jeder schaffen? Gibt es ein Erfolgsrezept? Hier eine erste Spurensuche.

#Was Herausforderungen sind

Der Duden beschreibt 4 Bedeutungen als Herausforderung:

  • Aufforderung zum Kampf
  • Kampf, bei dem ein Herausforderer mit einem Sportler um einen Titel kämpft
  • Provokation
  • Anlass, tätig zu werden; Aufgabe, die einen fordert

Es geht also um Aktion, d.h. eine Person oder eine Situation löst einen Handlungsbedarf aus. Die englische Wortbedeutung des Begriffs challenge schließt auch die Fähigkeit einer Person ein, die durch eine schwierige Situation oder Aufgabe getestet wird. Da jeder Mensch über unterschiedliche Fähigkeiten und Talente verfügt, wird auch jeder anders auf Herausforderungen reagieren. Was uns aber alle eint ist die Tatsache, dass jeder Mensch irgendwann einmal irgendeiner Herausforderung gegenübersteht. Und genau dann fällt es auch jedem schwer, diese zu meistern. Sonst ist es auch keine Herausforderung im eigentlichen Sinne.

#Warum uns Veränderungen so schwer fallen

Dami Charf von traumaheilung.de bringt es in ihrem Blogartikel „Warum dein Gehirn gegen Veränderungen ist“ auf den Punkt: „Unser Gehirn ist „stockkonservativ“ und lehnt Veränderungen grundsätzlich erstmal kategorisch ab.“ Warum eigentlich? Weil wir von Gewohnheiten gesteuert werden. „Wir sagen dies oft so dahin, ohne wirklich zu erfassen, wie tief diese „Macht der Gewohnheit“ in uns geht. Man kann sagen, dass diese Macht der Gewohnheit unseren Alltag bestimmt und damit unser Leben. Gewohnheiten sparen dem Gehirn Energie, damit wir Ressourcen frei haben für andere wichtige Aufgaben“, führt sie weiter aus.

Wir fliegen demnach oft mit Autopilot durch unser Leben. Was auf den ersten Blick negativ erscheint, kann aber auch von Vorteil sein. Denn Gewohnheiten können wir ja erlernen. Das dauert zwar, ist aber nicht unmöglich.

#Wie Veränderungen neue Gewohnheiten fördern

Einen verständlichen Erklärungsansatz für das Wachsen an Herausforderungen liefert Ulf Brandes in seinem Buch „Social Energy – für die Gestalter der neuen Arbeitswelt“. Er verwendet das Bild von drei Zonen, die wir im Verlauf des Veränderungsprozesses hin zu neuen Gewohnheiten durchlaufen: die Komfortzone, die Lernzone und die Panikzone.

Komfortzone:

Diese Zone spiegelt genau das wider, was wir bereits erläutert haben. In unserer Komfortzone befinden wir uns im Routine-Modus. Wir müssen uns nicht anstrengen und alltägliche Dinge gehen uns von der Hand, ohne großes Nachdenken. Der Nachteil ist, dass wir auch nichts Neues lernen. Solange wir uns in der Sicherheit und Geborgenheit unserer Gewohnheiten befinden, werden wir Veränderungen als eine Art Bedrohung und Anstrengung sehen.

Lernzone:

Jetzt haben wir schon den Schritt gewagt, uns Herausforderungen zu stellen. Wir sehen Veränderungen als notwendig an, sind bereit zum Lernen und entwickeln uns so weiter. Obwohl es alles auch manchmal etwas wackelig ist, wird es durch Üben und Geduld mit der Zeit immer besser. Wir sehen dann irgendwann auch Erfolge und freuen uns darüber, dass wir so mutig waren.

Panikzone:

Hier wollen wir nicht hin. In der Panikzone tritt der Effekt der Überforderung ein. Veränderungen scheinen uns zu überrollen, weil wir die Auswirkungen nicht richtig einschätzen können. Wir geraten teilweise wirklich in Panik! Dann besteht die Gefahr, dass wir mit einem Fluchtreflex reagieren. Da unsere Wahrnehmung stark eingeschränkt ist, sind die Voraussetzungen für Veränderungen nur selten gegeben.

Beim Betrachten dieser 3 Zonen kam mir sofort unsere derzeitige Krisensituation in den Sinn. Befinden wir uns nicht gerade in so einer Panikzone? Ist es nicht so, dass wir die zukünftigen Entwicklungen nicht richtig einschätzen können?

#Die Coronakrise – Lern- oder Panikzone?

Den meisten dürfte klar sein, dass wir uns im Moment nicht in unserer Komfortzone befinden. Gerald Echterhoff, Professor für Sozialpsychologie an der Westfälischen Wilhelmsuniversität Münster, beschreibt in einem Interview mit dem Deutschlandfunk Kultur die Coronakrise als eine noch nie dagewesene Situation, da sie großen Stress für den Einzelnen und die Gesellschaft im Allgemeinen bedeute. Er beschreibt auf der einen Seite „eine Trägheit aus psychologischer Sicht“, die bei einer Veränderung von Gewohnheiten wie oben beschrieben eintritt. Auf der anderen Seite weist er darauf hin: „Die Ereignisse rücken uns jetzt auf die Pelle.“. Das klingt erstmal nach Panikzone. Und daraus könnten wir ableiten, dass wir jetzt nicht viel zustande bekommen.

Doch es gibt Hoffnung. Ulf Brandes führt in seinem Buch „Social Energy“ weiter aus: „Wenn wir es indes schaffen, auch unter schwierigen oder gar bedrohlichen Umständen ein Gefühl von Selbstwirksamkeit zu entwickeln – also ein Gefühl von Zuversicht, Einfluss auf unsere aktuelle Situation nehmen zu können -, steigen unsere Chancen ungemein, auch in Zukunft immer wieder leichter in einen Zustand des aktiven Handelns zu kommen – ein Zustand, der es uns ermöglicht, unsere Zukunft zu gestalten, statt sie nur zu verhindern zu versuchen. Das ist langfristig ein entscheidender Faktor für unsere Entwicklung.“

Klingt auf den ersten Blick etwas kompliziert, fasst allerdings die aktuelle Lage verständlich in Worte. Wir haben also eine Chance, auch die Panikzone in die Lernzone zu verwandeln. Dazu benötigt es sicherlich auch Geduld mit uns selbst. Auch wenn wir Fehler machen oder vielleicht sogar mit unseren Versuchen scheitern, lernen werden wir auf alle Fälle.

Was ich aus der Krise lerne ist, dass ich in Zukunft noch mutiger Veränderungen angehe, keine Angst vor Fehlern habe und das Scheitern auch mal in Kauf nehme. Das frühe Aufstehen empfinde ich im Moment sogar ganz angenehm. Ich wüsste gar nicht, wie ich die ganzen Aufgaben des Tages sonst bewältigen sollte.

#Wie wir aus der Krise gestärkt herauskommen können

Abschließend können wir festhalten, dass es theoretisch möglich ist, Gewohnheiten zu verändern. Aber es ist schwierig, weil wir durch Gewohnheiten gesteuert sind. Nur wenn wir einen Sinn darin sehen, uns zu ändern, wird es uns leichter fallen. Dann werden wir uns freiwillig in einen Lernprozess begeben und so unsere Komfortzone ausweiten. Eine generelle Erfolgsgarantie kann daraus nicht abgeleitet werden. Trotzdem können wir einen Weg finden, müssen uns den Umständen nicht hilflos ausgeliefert fühlen.

Begreifen wir diese Zeit der Krise als Chance, Neues zu lernen. Dann wird es uns bestimmt auch zukünftig leichter fallen, Herausforderungen zu begegnen und Veränderungen zu gestalten.

Quellen und Links

https://www.duden.de/rechtschreibung/Herausforderung

Charf, Dami (2020): Warum dein Gehirn gegen Veränderungen ist, (08.01.2018), (Zugriff: 27.04.2020), https://traumaheilung.de/?s=veränderungen

Echterhoff, Gerald (2020): Was das Coronavirus mit uns macht (21.03.2020), (Zugriff: 27.04.2020) https://www.deutschlandfunkkultur.de/sozialpsychologe-gerald-echterhoff-was-das-coronavirus-mit.990.de.html?dram:article_id=472958

Brandes, Ulf (2018): Social Energy – Für die Gestalter der neuen Arbeitswelt, Ein Inspiratorial, Frankfurt am Main 2018