Schön, dass Sie weiterhin die Geheimnisse einer erfolgreichen Webseite kennenlernen wollen. Nachdem wir letzte Woche im Teil 1 allgemeine Tipps für eine effiziente Webseiten-Gestaltung besprochen haben, soll es heute konkreter werden. Am Ende dieses Beitrags werden Sie wissen, was eine „Persona“ ist und wie Bodyforming-Unterhosen mein Berufsleben geprägt haben.

#Der Kunde und seine Bedürfnisse

Was auf den ersten Blick ganz einfach und logisch klingt, ist in der Praxis oft nur schwer umzusetzen. Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Vorlesung in BWL erinnern. Es ging um die Grundlage des Wirtschaftens. Im Mittelpunkt stehen immer BEDÜRFNISSE, stellte der Professor als wesentlichen Punkt heraus. Ziel des Wirtschaftens ist demnach die Erfüllung dieser Bedürfnisse. Und genau deshalb gibt es ja auch Ihr Unternehmen. Sie haben das Ziel, die Bedürfnisse Ihrer Kunden zu erfüllen. Das Problem dabei ist, dass Sie nicht die Einzigen sind, die das wollen. Deshalb müssen Sie zeigen, warum der Kunde Ihre Dienstleistung oder Ihr Produkt wählen soll. Wenn ich ehrlich bin, geht das im Stress des Tagesgeschäfts manchmal unter. Dabei ist das häufig der Schlüssel für zielgerichtete betriebliche Entscheidungen im Marketing. Wenn Sie berücksichtigen, was Ihre Kunden gerne möchten, können Sie sie gezielter ansprechen. Doch wer gehört zu Ihrer Zielgruppe? Wie finden Sie heraus, welche Bedürfnisse Ihre Zielgruppe hat? Was können Sie daraus für die Gestaltung Ihrer Webseite ableiten?

#Wie Sie Ihre Zielgruppe definieren können

Das ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach. Es gibt nicht die eine Möglichkeit, wie man das machen kann. Und es hängt auch von der Größe Ihres Unternehmens ab, wie aufwendig Sie das Ganze gestalten sollten oder wollen. Beim Schreiben dieses Beitrags erinnerte ich mich an meine Arbeit bei einem Teleshopping Sender. Ich war damals als Business Analyst tätig. Zu meinen Aufgaben gehörte es unter anderem, den typischen Kunden des Senders zu definieren. Das war damals gar nicht so einfach, weil die technischen Möglichkeiten vor 17 Jahren noch nicht so ausgereift waren. Meinem Chef schwebte immer ein konkretes Bild des typischen Zuschauers vor. Heute nennt man das im Fachjargon „Persona“. Das ist eine Art fiktiver Kunde, den Sie für sich entwerfen. Er stellt dann einen typischen Standard-Kunden dar. Folgende Merkmale sollten Sie dabei berücksichtigen:

  • Geschlecht
  • Alter /Altersgruppe (z.B. 20-30 Jahre, 60-70 Jahre)
  • Demografie
  • Bildung
  • Interessen und Hobbys
  • Sorgen und Probleme, die Ihre „Persona“ gelöst haben möchte
  • Welchen Nutzen kann mein Problem oder meine Dienstleistung meinem Kunden bieten?
  • Wodurch lassen sich meine Kunden beeinflussen?
  • Wo suchen sie nach Informationen, wenn sie Entscheidungen treffen müssen?
  • Wie und wann trifft meine „Persona“ Kaufentscheidungen?

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie hilft Ihnen aber, ein klareres Bild Ihres Kunden zu bekommen. Da Sie wahrscheinlich keine eigene Marktforschung betreiben, können Sie bereits vorhandene Studien und Statistiken als Grundlage für Ihre Recherche verwenden. Empfehlenswert sind zum Beispiel:

Vielleicht haben Sie auch bereits Analyse-Tools auf Ihrer Webseite installiert, die Ihnen unter Berücksichtigung der DSGVO ebenfalls wertvolle Informationen liefern können. Auf der Grundlage dieser Informationen werden Sie schnell feststellen, dass Sie schon ein großes Stück voran gekommen sind. Wenn Ihre „Persona“ feststeht, können Sie nun im nächsten Schritt das typische Nutzerverhalten ableiten.

#Das typische Nutzerverhalten Ihres Kunden

Wenn Sie jetzt versuchen, das typische Nutzerverhalten Ihrer Zielgruppe zu untersuchen, erschrecken Sie bitte nicht. Ihre „Persona“ verhält sich wahrscheinlich anders als erwartet. Genau so einen Schockmoment hatte ich neulich. In einem Ratgeber für Social Media Plattformen beschreibt Bernd Schmitt den Durchschnittsleser auf Social Media Kanälen ungefähr wie folgt:

  • Er hat wenig bis keine Zeit
  • Er verfügt über die Aufmerksamkeitsspanne eines Dreijährigen
  • Er überfliegt Texte nur flüchtig
  • Er verlässt die Seite oder das Social Media Profil, wenn er die gesuchten Informationen gefunden hat

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass internet-affine Kunden möglichst schnell an Informationen kommen wollen. Kaum einer bestreitet, dass wir in einem Zeitalter der Über-Information leben. Mancher fühlt sich von der Vielzahl der Informationen und Daten wie erschlagen. Deshalb ist es gut, sich die Intentionen Ihrer Kunden immer vor Augen zu halten. Dennoch möchte mancher Nutzer aber auch länger auf Ihrer Seite verweilen, weil er gerne unterhalten werden möchte. Das kann zum Beispiel über einen Blog erfolgen. Bei einem Blog besteht auch die Möglichkeit zur Interaktion, wenn Kunden einen Ihrer Beiträge kommentieren. Natürlich gibt es noch mehr Möglichkeiten der Interaktion. Darauf gehe ich in einem späteren Beitrag noch genauer ein.

# Die Nutzerfreundlichkeit Ihrer Webseite

Nutzerfreundlich ist eine Webseite immer dann, wenn der Kunde die gesuchten Informationen am Ende auch findet und versteht, was Sie ihm sagen wollen. Dazu müssen Sie die Sprache der Zielgruppe kennen. Jetzt verstehen Sie auch, warum wir uns so detailliert über Ihre Zielgruppe informiert haben. Ich persönlich finde es zum Beispiel immer sehr schwierig, mich zwischen persönlicher „Du“- und förmlicher „Sie“ -Ansprache zu entscheiden. Das ist nicht immer einfach. Es gibt dafür auch keine Regel. In Deutschland mögen wir es eben etwas förmlicher. Aber ist Ihre Zielgruppe eher jünger, mag das „Du“ angebrachter und zielführender sein. Also, sprechen Sie die Sprache Ihrer Zielgruppe! Dazu zählt auch, Schaltflächen, Symbole und Links aussagekräftig zu benennen.

Zur Nutzerfreundlichkeit zählt auch die Navigation auf der Seite. Versetzen Sie sich für einen Moment in Ihren Kunden hinein und fragen Sie sich, ob Ihr Kunde weiß, wo er welche Information erhält. Wie schnell findet er die Informationen? Sind die Kategorien im Menü selbsterklärend? Wenn er auf eine Schaltfläche gedrückt hat, wie kommt er wieder zurück? Hilfreich ist auch, ein Suchfeld zu integrieren. (Mir fällt jetzt gerade auf, dass ich das selbst dringend machen sollte. Ich habe nämlich noch kein Suchfeld.)

Nutzerfreundlichkeit spiegelt sich letztendlich auch im Inhalt oder Content wieder. Dazu gibt es nächste Woche mehr Details im Teil 3 der Insidertipps für eine erfolgreiche Webseite. Dann geht es um Themen wie Layout, visuelle Gestaltung, Typografie usw.

Abschließend möchte ich Sie motivieren, sich an eine Zielgruppen-Analyse heranzuwagen. Dank vieler zuverlässiger Informationen und Tools ist das heute schnell und effizient möglich. Zum Glück, möchte ich sagen. Falls Sie das Ergebnis meiner Kundenanalyse vor 17 Jahren interessiert: es ist mir nicht wirklich gelungen, eine klare „Persona“ zu entwickeln. Die Zielgruppe schien irgendwie zu diffus zu sein. Das hatte zur Folge, dass eine „Bodyforming Unterhose“ weiterhin der Bestseller des Shopping-Senders blieb. In diesem Sinne, viel Erfolg beim Ausprobieren der Tipps.

Quellen und Links

Lobacher, Patrick (2017): Homepage, Blog und Co. – Der beste Weg zur eigenen Webpräsenz, S. 65-74

Schmitt, Bernd (2017): Freunde, Fans und Follower – Das große Social Media Handbuch für alle Unternehmen, die das Maximum aus ihren Auftritten herausholen wollen, S. 92

ARD/ZDF Onlinestudie: http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/

FIM/KIM/JIM Studien des Medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest: https://www.mpfs.de/startseite/

Shell Jugendstudie: https://www.shell.de/ueber-uns/shell-jugendstudie.html

Bitkom e.V.: https://www.bitkom.org/

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