„Wenn Sie ein bisschen so sind wie ich, dann haben Sie manchmal Hemmungen bei Selfies.“. Dieser Satz könnte von mir sein. Er ist aber von Olivia Purvis, Instagrammerin und Bloggerin aus London. Ich finde, dass er genau das ausdrückt, was viele von uns bei Selfies empfinden. Ich konnte bis vor einiger Zeit auch nicht verstehen, warum Leute Fotos von sich in allen Lebenslagen machen und diese dann auch noch öffentlich präsentieren. Doch heute sehe ich das anders. Ich behaupte sogar, dass mich Selfies selbstbewusster gemacht haben. Warum habe ich meine Einstellung geändert? Können Selfies das Selbstbewusstsein stärken?

#How to make a selfie?

Die meisten Benutzer von Smartphones werden diese Frage wahrscheinlich nie stellen. Ich schon. Es ist Sommer 2018. Ich stehe vor dem Spiegel in der Umkleidekabine und probiere ein schwarzes Kleid an. Da ich mich nicht entscheiden konnte, ob es mir steht, entscheide ich mich spontan für ein Selfie. Und in diesem Moment war mir klar, dass ich gar nicht wusste, wie das eigentlich geht. Wie macht man denn nun ein Selfie? In der Zwischenzeit habe ich das gelernt. Es ist ja nur ein Klick und schon ist die Kamera im Selfie-Modus. Aber damit war es nicht getan. Zu wissen, wie ich Selfies machen kann, ist das eine. Wirklich aussagekräftige Selfies zu machen, das andere.

#Die Selfie-Challenge!!!

Letztes Jahr im September stach mir in der Bibliothek ein Buch von Elsie Larson und Emma Chapman ins Auge. Es ging um DIY Photoprojekte. Ich kannte Elsie und Emma bereits von ihrem Blog „A Beautiful Mess“, den ich ab und zu schon gelesen hatte. Es gibt ja so Tipps, die liest man und denkt:“ Nett, gut zu wissen!“. Aber dabei bleibt es dann auch. Und dann gibt es so Tipps, da kann man es kaum erwarten, sie auszuprobieren. Und genau so ein Tipp war die Selfie-Challenge von Elsie und Emma. Ziel war es, 30 Tage lang jeden Tag ein Selfie von sich zu machen. Am Ende wählt man dann das Beste aus. Das habe ich übrigens noch gar nicht gemacht. Aber während dieser Zeit habe ich viel gelernt – über mich selbst und meine Umwelt. Ich begann zu überlegen, was ich anziehe, welche Posen ich machen möchte und welche Locations dafür infrage kommen. Die wertvollste Erkenntnis war, mich so zu sehen, wie andere mich sehen. Welchen Gesichtsausdruck habe ich? Ist mein Lächeln echt oder muss ich mich dazu zwingen? Welche Körperhaltung habe ich? Ein Selfie ist wie ein Blick in den Spiegel.

Ehrlich gesagt, war ich anfangs schockiert über meinen Gesichtsausdruck auf den Fotos. Obwohl ich zugeben muss, dass ich schon 2015 gemerkt hatte, dass mein Selbstbewusstsein irgendwie abhanden gekommen war. Ich hatte damals ein Fotoshooting für Bewerbungsfotos. Die Fotografin hat sich alle Mühe gegeben, wenigstens irgendein brauchbares Foto zu bekommen. Es hat ewig gedauert und zum Schluss war ich froh, dass es vorbei war. Es war dann wenigstens ein akzeptables Foto dabei. Ich fühlte mich damals nicht richtig wohl in meiner Haut. Das hat sich auch in meinen Bewerbungen niedergeschlagen. So ist es auch kein Wunder, dass es noch 5 Jahre gedauert hat, bis ich den Mut zur Firmengründung hatte. Dazu hat definitiv auch diese Selfie-Challenge beigetragen.

#Wie Selfies selbstbewusster machen

Die meisten Selfies werden heutzutage direkt auf Instagram gepostet. Dort landen sie unter dem Hashtag „selfie“ zusammen mit Millionen anderen. Wenn du mit Selfies anfängst, kannst du deine Fotos auch erst einmal nur für dich selbst machen. Du musst sie nicht veröffentlichen. Damit nimmst du dir den Druck. Aber wie startest du am besten eine Selfie-Challenge? Hier 5 Tipps, die mir geholfen haben.

  1. Fang einfach an ohne groß nachzudenken! Fotografieren ist ein kreativer Prozess, der im Flow entsteht. Lass dich einfach mal treiben und probiere Dinge aus! Das schöne an digitalen Fotos ist, dass du sie nachher wieder löschen kannst. Da muss auch nicht jeder Shot sitzen.
  2. Stelle dir spannende Outfits zusammen! Es ist erstaunlich, wie viele unterschiedliche Outfits du aus ein paar Kleidungsstücken zusammenstellen kannst. Falls du dir nicht sicher bist, frage eine gute Freundin oder Freund. Oder hole dir Inspirationen von Bloggern und auf Instagram.
  3. Stelle dir ein Thema! Olivia Purvis gibt in „Inspiration Instagram“ auch den Rat, sich einen Grund für das Selfie zu suchen, z.B. „….eine Sonnenbrille, ein Kleidungsstück oder ein bestimmtes Make-Up vorzuführen, das man absolut liebt. Das Selfie bekommt dann auch gleich eine Geschichte mit…“. Das funktioniert auch gut mit Hüten, Mützen, Baseballkappen, Schuhen usw.
  4. Achte auf die richtigen Lichtverhältnisse! Licht spielt beim Fotografieren eine wichtige Rolle. Auch hier kannst du einfach ausprobieren, welche Beleuchtung die richtige ist. Das beste Licht für Modeaufnahmen soll übrigens morgens und am späten Nachmittag sein.
  5. Suche dir abwechslungsreiche Orte! Du musst Selfies nicht immer in der eigenen Wohnung machen. Wenn du raus gehst, hast du erstens bessere Lichtverhältnisse und zweitens lernst du deine Umwelt besser kennen. Du kannst dich an Hauswände lehnen, auf Treppenstufen setzen oder vor einem Graffiti posieren. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt.

Du wirst feststellen, dass sich von Tag zu Tag die Qualität deiner Fotos verbessert. Du nimmst dich selbst bewusster wahr, lernst konstruktiv-kritisch an deinem Gesichtsausdruck sowie deiner Haltung zu arbeiten und du wirst routinierter im Umgang mit dem Fotografieren. Mir persönlich hat diese Selfie-Challenge einen Impuls gegeben. Kurz darauf habe ich begonnen, mich mit Social Media zu beschäftigen. Ich habe einen Kurs für Mobiles Marketing gemacht, eine Firma gegründet und seit heute habe ich auch einen beruflichen Instagram Account. Ich kann es kaum erwarten, mit euch spannende Geschichten zu teilen. Diese Woche werde ich die Top 5 meiner Selfie-Challenge präsentieren mit der jeweils passenden Entstehungs-Geschichte dazu. Schaut doch einfach mal vorbei!

Selbstbewusstsein aufzubauen ist natürlich immer ein Prozess. Das geht nicht von heute auf morgen. Bei den unendlich vielen Ratschlägen für mehr Selbstbewusstsein, zählt das Selfie eher zu den ungewöhnlichen Mitteln. Es kostet nur ein bisschen Zeit und Mut. Du denkst, du kannst das nicht? Noch ein letzter Tipp von Olivia Purvis: „Haben Sie Spaß dabei und nehmen Sie sich nicht allzu ernst. Wenn ich das kann, kann es jeder.“ Also, viel Spaß beim Ausprobieren!

Quellen und Links

Larson, Elsie und Chapman, Emma (2014): DIY Photo project! – 95 geniale Photocraft-Ideen für dein Leben in Bildern

Angell, Jess und Carroll, Henry (2017): Inspiration Instagram, S. 114/115

A Beautiful Mess Blog: https://abeautifulmess.com/