Immer wenn ich einen Lebenslauf erstellen muss, läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken. Noch schlimmer ist es, wenn ich mir Lebensläufe und Profile von anderen in beruflichen Netzwerken ansehe. Wow! Die sind alle so super! Und ich? Wieder mal der totale Loser! Warum fühle ich mich so? Weil ich mich mit anderen vergleiche und gleichzeitig meine gescheiterten beruflichen Projekte vor Augen habe. Glücklicherweise sind die Versagensängste in letzter Zeit seltener geworden. Ein einschneidendes Erlebnis an einem Nachmittag im August vor 2 Jahren hat in mir einen Veränderungsprozess angestoßen. Was an diesem Tag so Spektakuläres geschah, warum wir uns mit Entscheidungen oft so schwer tun und wie wir die Angst vor dem Scheitern überwinden können – all das lest ihr im folgenden Artikel.

#Warum wir Entscheidungen oft hinauszögern

Die meisten Menschen lernen seit ihrer Kindheit, dass sie vernünftige Entscheidungen treffen sollten. Vernünftig kommt von Vernunft und bedeutet, dass die Entscheidungsfindung auf rationalen Denkprozessen beruht. Der Gegensatz ist die Bauchentscheidung, bei der sich der Betreffende von seinen Gefühlen leiten lässt. Diese gefühlsmäßigen Entscheidungen sind es dann meistens, die angeblich zum Versagen im Leben führen. Dabei wird oft außer Acht gelassen, dass wir auch von Denkmustern beeinflusst werden. Selten ist eine Entscheidung komplett rational oder gefühlsmäßig. Häufig lassen wir uns jedoch von einem Gefühl leiten, dass gute Entscheidungen verhindert. Es ist schlichtweg Angst – die Angst vor dem Scheitern, die Angst Fehler zu machen oder die Angst, zu versagen.

Diese Denkmuster entstehen meist schon in der Kindheit und werden durch das Umfeld geprägt, in dem wir aufwachsen. Wenn ein Kind lernt, dass Fehler zum Leben gehören, entwickelt es im späteren Leben eine Gelassenheit in Krisensituationen. Wer allerdings bei Fehlern (z.B. schlechte Noten) negatives Feedback wie Tadel und Rügen erhält, entwickelt eher einen Drang zum Perfektionismus. Dieser verhindert dann oft einen resilienten Umgang mit Rückschlägen und Scheitern. Es ist auch kein Geheimnis, dass wir als Deutsche nicht gerne Misserfolge zugeben. Da brauchen wir keine Studien zu bemühen. Hierzulande wird Scheitern meistens mit Versagen gleichgesetzt.

Wir haben also Angst, unser Gesicht zu verlieren. Deshalb machen wir lieber nichts oder warten auf den perfekten Moment, der nie kommt. Wenn ich die Zeit zusammenrechne, die ich in den letzten Jahren mit Grübeln verbracht habe, würde mir wahrscheinlich ganz schwindelig werden. Erstaunlicherweise hat mich das ewige Grübeln im Leben überhaupt nicht weiter gebracht. Stattdessen verharrte ich in einem Zustand der Stagnation. Egal, was für Ziele ich mir stecken oder Ideen, die ich umsetzen wollte, immer fand ich noch irgendetwas, das schief gehen könnte. Erst, wenn das Konzept perfekt ist oder mein Umfeld nichts daran auszusetzen hätte, dann würde ich die Umsetzung planen. Daraus wurde leider nie etwas. Also verkroch ich mich in meine Arbeit im Familienbetrieb, bis zu jenem Nachmittag im August 2018.

Mein Mann hatte einen körperlichen Zusammenbruch und war daraufhin bewusstlos. Er hat sich heute zum Glück wieder völlig erholt. Aber trotzdem hat dieser Tag unser beider Leben nachhaltig beeinflusst. Wir haben die Ernährung umgestellt, machen mehr Sport usw. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich im ungünstigsten Fall von jetzt auf gleich ein Sozialfall geworden wäre. Ich hätte die Familienfirma nicht einfach so weiterführen können. Ich wusste, dass nun endgültig die Zeit gekommen war, beruflich wieder auf eigenen Beinen zu stehen.

#Scheitern führt zum Erfolg

Was haben Howard Schultz, Walt Disney, James Dyson, Thomas Edison, Steve Jobs und Max Levchin gemeinsam? Sie alle mussten erst scheitern – manche von ihnen sogar mehrmals – bevor sie Erfolg hatten. Howard Schultz mit Starbucks, Walt Disney mit Disneyland, James Dyson mit Staubsaugern, Steve Jobs mit Apple und Max Levchin mit PayPal. Wenn es ums Scheitern geht, befinden wir uns also alle in guter Gesellschaft. In einem Artikel auf zukunftsinstitut.de wird Scheitern sogar als Weg zum Erfolg dargestellt. Da wir Menschen ja bekanntlich am besten im Flow funktionieren, macht diese Aussage durchaus Sinn. In diesem Artikel werden einige Erkenntnisse wie folgt zusammengefasst:

  • erfolgreiche Menschen können wahrscheinlich nur durch Scheitern lernen
  • innovative Geschäftsmodelle funktionieren nicht im ersten Anlauf, oft auch nicht im zweiten, manchmal nie
  • wirklich scheitert nur derjenige, der es erst gar nicht versucht
  • wir benötigen mutige Menschen, die Scheitern als Lebensweg und Lernerfahrung akzeptieren
  • wir müssen den Mut haben, unbequeme Lösungen auszuprobieren und gemeinsam unsere Lernerfahrungen zu teilen
  • die Erfolgsformel ist ein iterativer Prozess: Erfolg – Scheitern – Lernen – Erfolg – Scheitern – Lernen

Der Weg ist also das Ziel. Und das Ziel ist am Ende der Erfolg. Für manches Problem gibt es wahrscheinlich auch mehrere Lösungswege. Manchmal sind es auch Umwege, Einbahnstraßen und Sackgassen. Aber irgendwann kommt man an.

#Wie kann ich Versagensängste überwinden

Einer meiner Lieblingssprüche ist von Michael Jordan, ehemaliger US-amerikanischer Basketballspieler:

„Ich kann einen Misserfolg akzeptieren. Jeder kann scheitern. Aber ich kann nicht akzeptieren, dass man es erst gar nicht versucht.“

Michael Jordan, ehemaliger US-amerikanischer Basketballer

Er muss es wissen. Als erfolgreicher Basketballer hatte er nicht nur Erfolge im Leben. Er musste sich seine Leistungen hart erarbeiten. Und hier und da hat er auch falsche Entscheidungen in seinem Leben getroffen. (Für mehr Informationen zu Michael Jordan auf Wikipedia) Jeder Sportler wird mir zustimmen, dass Erfolg nicht aus dem Nichts entsteht und auch mit Niederlagen verbunden ist. Auch wenn ein gewisses Talent sicherlich hilfreich ist, ohne hartes Training wird es keine Leistungssteigerung geben. Was hat das jetzt mit Lebensläufen und beruflichem Erfolg zu tun? Eine ganze Menge.

Wenn Sportler an Wettkämpfen teilnehmen, haben sie zuvor lange trainiert. Doch das reicht oft nicht aus. Die Konkurrenz ist ebenfalls gut vorbereitet und entschlossen, zu gewinnen. Jetzt kommt es darauf an, den richtigen Fokus zu finden. Sich auf sich selbst und die eigene Leistungsfähigkeit zu konzentrieren, ist enorm wichtig. Hin und wieder ist auch ein flüchtiger Seitenblick auf die Konkurrenz ganz sinnvoll. All das hilft, im richtigen Moment das volle Leistungspotential ausschöpfen zu können. Das Versagen in Wettkämpfen ist reine Nervensache. Wer die bessere mentale Stärke besitzt, hat meistens die besseren Chancen.

Dieses Prinzip kann man gut auf die berufliche Ebene übertragen. Wer zum Beispiel ein Unternehmen gründen möchte, bereitet sich gut vor mit Businessplan und Co. Doch dann kommt der Moment der Umsetzung. Er muss es auch machen: zum Gewerbeamt gehen, sich ein Geschäftskonto einrichten, Kundengewinnung betreiben usw. Wenn er immer nur in der Vorbereitungsphase verharrt, werden ihm immer mehr Probleme einfallen, die möglicherweise auftreten könnten. Trotz guter Vorbereitung wird es immer irgendetwas geben, dass man nicht berücksichtigt hat. Das wird jeder Selbständige bestätigen können. Eine Firmengründung wird selten ganz reibungslos verlaufen. Ein amerikanisches Sprichwort lautet: „Go for it and fix the problems on the way!“.

Einen nachhaltigen Impuls hat mir auch ein Blogbeitrag auf virtual-assistant-women.de gegeben. Dort gibt Nadine den Tipp, nach einer guten Vorbereitung einfach mal loszulegen. Außerdem empfiehlt sie: „Hör außerdem bitte auf, dich mit den vielen anderen VA’s zu vergleichen. Du weißt nie, was sie alles getan haben, um dahin zu kommen, wo sie sind. Und du musst auch nicht so “gut” sein wie sie. Du bist einzigartig und gut genug, so wie du bist. Kunden werden mit dir zusammen arbeiten, weil sie dich toll finden.“

Die Angst zu Scheitern kann überwunden werden. Widerstehe dem Drang zum Perfektionismus! Hör auf, dich mit anderen zu vergleichen! Lerne durch Tun! Fang an, deine Pläne umzusetzen! Und genieße den Weg zum Erfolg! Mit oder ohne Scheitern!

Quellen und Links

Zukunftsinstitut „Der Weg zum Erfolg? Scheitern!“: https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/der-weg-zum-erfolg-scheitern/

Wikipedia „Michael Jordan“: https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Jordan

virtual-assistant-women.de „So wirst du Virtuelle Assistenz – dein Step by Step Guide“: https://www.virtual-assistant-women.de/so-wirst-du-virtuelle-assistenz/