Ich wusste, dass es irgendwann passiert. Und dann plötzlich war sie da. Die Angst vor der leeren Seite. Immer wieder habe ich angefangen, einen Blogartikel zu schreiben. Jedes Mal habe ich alles wieder verworfen. Mittlerweile zeigt mir WordPress 25 Revisionen an!!! So langsam wird mir klar, dass ich feststecke. Doch worin eigentlich? Warum? Wann und wie komme ich da wieder raus?

In Fachkreisen wird das Ganze Schreibblockade genannt. In der Hoffnung auf eine schnelle Lösung tippe ich bei Google „Schreibblockade lösen“ ein. Es werden mir ungefähr 49.800 Suchergebnisse angezeigt. Unter den Topergebnissen kann ich wählen zwischen 5, 10 oder 13 Tipps und 9 und 26 erprobten Wegen. Mir wird irgendwie schwindelig. Ich fühle mich überfordert. Am Ende habe ich kein einziges Suchergebnis angeklickt. Denn ich konnte mich nicht entscheiden. Stattdessen habe ich nachgedacht.

#Gefangen im Labyrinth der VUCA Welt

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass meine Schreibblockade eine Folge von mangelndem Fokus ist. Ich habe mich in der VUCA Welt verlaufen. Im letzten Blogartikel hatte ich bereits kurz darauf Bezug genommen. Mich erschlägt gerade die Vielfalt der Auswahlmöglichkeiten und die Komplexität von Lösungsansätzen. Hinzu kommt die Unsicherheit durch die Corona-Pandemie und die Tatsache, dass vieles heutzutage nicht mehr eindeutig ist. Der Mangel an Eindeutigkeit wird mir immer wieder beim Thema Ernährung bewusst. Eine Studie zeigt, dass ein bestimmtes Lebensmittel supergesund ist. Die nächste Studie kommt genau zu dem gegenteiligen Schluss. Was soll ich denn nun glauben? Und bei Ernährung hört die Mehrdeutigkeit nicht auf. Das Problem kann man quasi auf jeden Lebensbereich übertragen.

Labyrinth
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Ich habe mich natürlich auch gefragt, wie ich jetzt in diese Situation gekommen bin. Als ich vor ein paar Monaten meinen ersten Blogpost veröffentlichte, schien die Welt noch in Ordnung zu sein. So nach dem Motto „Was juckt es mich, wenn in China ein Sack Reis umfällt“ habe ich wie die meisten einfach so weiter gemacht und mich nicht weiter an den Entwicklungen gestört. Es war gerade Grippesaison, und so redete ich mir ein, dass jährlich auch mehrere tausend Menschen in Deutschland an Grippe sterben. Das beruhigte mich und ich wollte mein Business voranbringen. Ein paar Wochen später dann der Lockdown.

Kam ich anfangs noch ganz gut damit klar, hatte ich in den letzten Wochen häufiger mit Phasen der Orientierungslosigkeit zu kämpfen. Ich wusste, dass es irgendwie weitergehen muss. Aber wie mache ich weiter? Was gibt mir die nötige Motivation und treibt mich an? Was gibt mir Richtung und Orientierung bei persönlichen und beruflichen Entscheidungen?

#Wie bekomme ich meinen Fokus zurück?

Man liest ja immer viel über Achtsamkeit und der Unmöglichkeit von Multitasking. Wenn ich ehrlich zu mir bin, kann ich mich in letzter Zeit oft schlecht auf eine Sache konzentrieren. Ich denke immer, dass ich gerade als Unternehmensgründer rührig sein muss, um ja keine Chance zu verpassen. Sehe ich mir dann noch die Profile und Portfolios anderer Freelancer an, verliere ich völlig den Fokus. Ich weiß, dass ich damit nicht alleine bin. Und ich weiß auch ganz genau, dass ich nicht so weiter machen kann und will. Denn der Stresspegel geht durch die Decke, was gesundheitlich auf Dauer bedenklich ist. Außerdem kriege ich aktuelle Probleme nicht gelöst, weil ich ich mich bei Entscheidungen gedanklich im Kreis drehe. Ganz zu schweigen davon, dass Konflikte in der Partnerschaft vorprogrammiert sind und ich meine Restmotivation auch noch verliere, weil ich meine Handlungsspielräume nicht erkenne.

Fokus
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Vor ein paar Jahren gab ich einer Freundin, die in einer schwierigen Beziehung steckte, den Rat, sich ihrer eigenen Ziele und Wünsche bewusst zu werden. Das hat ihr am Ende auch geholfen, eine Entscheidung zu treffen. Genau das habe ich mich jetzt auch gefragt. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich MEINEN eigenen Weg finden muss, um mit der jetzigen Situation umzugehen. Jeder ist verantwortlich für sein eigenes Leben. Das nennt man auch Erwachsen-Sein. Ich bin nicht verpflichtet, alle Probleme meiner Umgebung zu lösen. Denn keiner kann den Schmerz der ganzen Welt tragen. Das heißt nicht, dass ich kein Mitgefühl oder hörendes Ohr für andere habe. Aber ich muss mir bewusst sein, dass nicht alles in meiner Macht steht. In der momentanen Krisensituation sowieso nicht. Wenn es um Entscheidungen geht, gibt es nicht DIE eine richtige Entscheidung. Aufgrund der Mehrdeutigkeit der Umwelt hängt es immer stark von den persönlichen Umständen und äußeren Faktoren ab. Außerdem ist nicht jede Entscheidung in Stein gemeißelt, d.h. ich kann vieles noch flexibel an die Umstände anpassen.

#Die eigene Identität finden und stärken

Auszeit
Was ist mir wichtig? Photo by Kasuma on http://www.pexels.com

In Zusammenhang mit der derzeitigen Corona-Pandemie wird häufig die Fähigkeit der Resilienz genannt. Auf selfapy.de wird diese Eigenschaft wie folgt definiert:

„Resilienz beschreibt die Fähigkeit, sich von Krisenzeiten zu erholen und hilft bei der Bewältigung von Ereignissen. Wenn etwas schief geht, hilft dir die Resilienz, schwierige Zeiten zu meistern. Durch unsere Resilienz können wir aus Krisen sogar gestärkt herausgehen. Resilienz wird auch beschrieben als innere Stärke, Widerstandsfähigkeit in Krisenzeiten oder das Einstehen für sich selbst in schwierigen Zeiten. “ (Quelle: selfapy.de)

Resilienz ist bei Menschen unterschiedlich ausgeprägt, kann aber erlernt werden. Ich möchte jetzt an dieser Stelle nicht weiter auf Details eingehen. Wenn dich das Thema Resilienz interessiert, schaue doch einfach den Artikel in der Quelle an. Für mich erschien der letzte Punkt der Definition passend zum Thema. Das „Einstehen für sich selbst in schwierigen Zeiten“ scheint mir ein vielversprechender Ansatz zu sein. Was heißt das konkret?

Idee - Vision
Gönne dir eine Auszeit vom Alltag, um deine Vision zu finden Photo by Pixabay on http://www.pexels.com

Für mich persönlich interpretiere ich eine schrittweise Annäherung an meine persönlichen Vorstellungen, wie mein Leben aussehen soll. ich brauche also eine klare Vision für die Zukunft. Denn ist meine Vision klar genug, dann werde ich die Kraft haben, sie auch zu verfolgen.

Um mir darüber Gedanken zu machen, brauche ich Ruhe. Am besten eignen sich Orte in der Natur, wo ich automatisch meine Sinne wieder in Einklang bringe. Ich hatte letzte Woche schon einen Versuch gestartet. Ich hatte die Notwendigkeit gesehen, mir noch einmal über meine Unternehmensvision Gedanken zu machen. Deshalb gibt es demnächst ein Update meiner Startseite. Folgende Fragen haben mir geholfen, meine Vision zu finden:

  • Was ist mir im Leben wichtig?
  • Warum habe ich mein Unternehmen gegründet? Was will ich damit erreichen?
  • Was möchte ich mit meinem Unternehmen bewegen oder verändern?
  • Wovon bin ich überzeugt? Was sind meine Werte im Leben?

Das Ergebnis meines inneren Dialogs könnt ihr ab nächster Woche auf der Website und auf Instagram sehen.

Mein Rat an dich: Nimm dich aus dem Alltag raus. 2-3 Tage sollten reichen, müssten es aber auch sein, damit du am Ende zu einer zufrieden stellenden Lösung kommst. Beschränke dich erstmal auf drei Dinge, die dir wirklich wichtig sind. Wenn du realistisch bist, hast du nicht für alles Zeit. Einerseits schmerzt es auch ein bisschen, sich von Plänen zu verabschieden oder sie hinten anzustellen. Aber nur so kommst du voran.

Eine Entscheidung meinerseits kann ich dir schon verraten. Mein beruflicher Fokus wird auf dem Schreiben und Content-Management liegen. Das ist das, was ich wirklich will. Auch wenn andere Freelancer eine andere Strategie fahren und breiter aufgestellt sind, werde ich mich spezialisieren. Grundsätzlich steht fest: Writing first!!!!

Im nächsten Schritt bin ich gerade dabei, meine neu gewonnen Erkenntnisse in meinem Arbeitszeitplan zu verankern. Das Wichtige und Dringende kommt rein, aber andere Sachen werden entweder ganz gestrichen oder auf die Warteliste gesetzt. Bevor ich dann ab Montag mit meinem neuen Plan in den Praxistest starte, werde ich mir ein verlängertes Wochenende gönnen. Vielleicht werde ich etwas in Social Media posten, vielleicht aber auch nicht. Ich halte mir das offen.

Mein Fazit: Das Leben in einer vielfältigen, komplexen, unsicheren und mehrdeutigen Welt ist eine Herausforderung. Aber hei, ich bin damit nicht alleine. Letztendlich kommt es darauf an, was ich daraus mache. Da ich grundsätzlich ein neugieriger und offener Mensch bin, schätze ich Vielfalt. Ich bin auch neugierig, weshalb ich Social Media als Kommunikationsform für mich entdeckt habe. Aber ich muss lernen, mich nicht von den negativen Folgen wie der ständigen Erreichbarkeit vereinnahmen zu lassen. Wenn ich mir meiner Identität, meiner Wünsche und Träume für die Zukunft bewusst bin, dann sollte ich meine Sinnkrise überstehen und meine Schreibblockade überwinden. Welche Schreibblockade?

Zum Schluss bleibt noch die Frage offen, ob das wirklich funktionieren wird, d.h. praxistauglich ist. Ehrlich gesagt, weiß ich es nicht. Wenn es nicht klappt, muss ich eben nochmal nachbessern. Aber eines weiß ich jetzt definitiv: Was ich will und was ich bereit bin, dafür zu tun.

Quellen und Links

selfapy.de: Resilienz: so stärkst du deine Widerstandskraft – https://www.selfapy.de/blog/wohlbefinden/resilienz/