Neulich fiel mir beim Aufräumen ein Artikel über Mini-Aktionen in die Hände. Der Artikel war betitelt mit „Vom Glück der kleinen Erfolge – Fitter, gelassener, zufriedener: Schon zehn Minuten täglich genügen, um unser Leben durch Mini-Aktionen reicher zu machen.“ Das machte mich neugierig, denn es schien perfekt zu meiner aktuellen Situation zu passen. Das Grundprinzip dahinter ist, dass immer wieder kleine Aktionen ausgewählt werden, die mühelos oder mit sehr geringem Aufwand in den Alltag integriert werden können. Da diese kleinen Aktionen ein erreichbares Pensum darstellen, sind sie schnell erledigt und führen zu sichtbaren Erfolgen. Genau deshalb schaffen es viele, sie in ihren Alltag zu integrieren. Warum das so ist und ob dieses Prinzip auch im Business-Alltag funktioniert, lest ihr im aktuellen Beitrag.

#Warum wir oft nicht vorankommen

Frustration im Geschäftsleben
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Ein Blick auf meine To-Do Liste lässt mich oft zusammenschrecken. Es gibt so viele Sachen zu tun. Als Neugründer möchte ich natürlich möglichst schnell genug Geld verdienen und mein Business zum Laufen bringen. Zwar hatte ich mich im Vorfeld der Gründung gut informiert, geplant und Listen abgearbeitet. Dennoch gab es noch vieles, was ich nicht berücksichtigt hatte. Da es ja bekanntlich wenig hilft, im Nachhinein darüber zu grübeln, was ich hätte alles besser machen können, stürzte ich mich in den letzten Wochen einfach aktiv in die Arbeit. So nach dem Motto, einfach machen. An sich ist das auch gar nicht so schlecht. Leider fehlt mir dann oft das Ziel, und schnell hatte ich mich in einer Flut von Aktivitäten verzettelt ohne wirklich konkrete Fortschritte. Jetzt weiß ich, dass ich das Ganze auf zwei Kernprobleme zurückführen kann:

Problem #1: Zu viele große Veränderungen auf einmal kann das Gehirn nicht verarbeiten

Problem #2: Zu hohe Erwartungen an schnelle Erfolge in kurzer Zeit führen zu Frustration und Stagnation

#Dem Geheimnis des Fortschritts auf den Grund gehen

Unser Körper neigt von Natur aus zu gewohnheitsmäßigem Verhalten, insbesondere in Stresssituationen. Sind wir also ehrlich zu uns selbst, reicht oft einfach die Kraft für große Ziele nicht aus. Der amerikanische Autor Stephen Guise beschreibt dieses Phänomen in seinem Buch über Mini-Gewohnheiten wie folgt: „Es ist der große Abstand zwischen dem aktuellen Zustand und dem angestrebten Ziel, der uns davon abhält, aktiv zu werden. Wir fühlen uns überfordert, entmutigt und geplagt von schlechtem Gewissen, bevor wir überhaupt einen Finger gerührt haben.“

Der Unterschied zwischen SOLL- und IST-Zustand ist oft so groß, dass wir den Aufwand einer Veränderung scheuen.

#Nicht alles auf einmal

Was kannst du also machen? Mache dir bewusst, dass du nicht alles auf einmal ändern kannst. Du musst Prioritäten setzen. Wenn du weißt, was dir im Leben wichtig ist, dann kannst du besser entscheiden, wofür du deine Zeit verwendest. Dafür ist es auch zuerst einmal nötig, überflüssige Aktivitäten aus deinem Zeitplan zu streichen oder zumindest zu reduzieren. Es gibt ja immer irgendwelche Zeiträuber, die bei jedem unterschiedlich sind. Fernsehen, Netflix, Social Media usw. Überlege dir, wie viel Zeit du mit welchen Aktivitäten verbringst. Schreibe einfach eine Woche oder einen Monat lang alles auf. Dann hast du einen Überblick über deine Aktivitäten. Das kann sehr erhellend sein, manchmal auch erschreckend. Aber keine Angst! Es geht nicht darum zu beurteilen, was gut und was schlecht ist, sondern deine Prioritäten zu finden und genug Zeit dafür zu haben.

#Prioritäten setzen und was dann?

Schreibe dir alle wichtigen Dinge auf, die du unbedingt einplanen musst. Dann siehst du, wie viel Zeit noch übrig bleibt. Diese Zeit kannst du dann gezielt für Dinge einplanen, die du verändern willst. Der Trick an der Sache ist, große Projekte in Teilprojekte zu untergliedern. Bei der Planung ist es wichtig, zuerst ein Hauptziel festzulegen und danach zu überlegen, welche Schritte zum Erreichen nötig sind. Das sind dann die Teilziele oder Projektabschnitte. Je nachdem wie ambitioniert deine Ziele sein sollen, kannst du die Ziele so lange in kleinere Schritte zerlegen, bis es für dich passt. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass ein Ziel mich zumindest aus meiner Komfortzone herausholen muss. Aber es darf dann auch nicht unerreichbar sein. Dann gebe ich frustriert auf. Aber wie klein dein Ziel auch ist, es ist ein Teilschritt auf dem Weg zu deinem Hauptziel.

Schritt #1: Finde heraus, wie und wofür du deine Zeit einsetzt.

Schritt #2: Setze Prioritäten. Plane erst alle Dinge, die wichtig sind. Die verbleibende Zeit kannst du dann für neue Ziele und Aufgaben verplanen.

Schritt #3: Lege Ziele fest. Sie können ruhig etwas ambitioniert sein.

Schritt #4: Unterteile die in Schritt #3 festgelegten Ziele so lange in kleine Teilziele, bis sie für dich erreichbar erscheinen.

Schritt #5: Überlege dir, wie du den Erfolg deiner Teilziele messen kannst. Nimm dir regelmäßig (täglich / wöchtentlich / monatlich) Zeit, um deine Ziele zu überprüfen. Nimm gegebenenfalls Veränderungen vor.

#Sind Mikro-Aktionen im Business einsetzbar?

Social Media Marketing
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JA. Im Prinzip ist das Planen und Umsetzen von Mikro-Aktionen in jedem Lebensbereich einsetzbar. Wichtig ist nur, dass die Aktionen wirklich klein sind. Nur so sind sie nämlich umsetzbar. Glaube mir, dass macht wirklich Spaß. Naheliegende Einsatzbereiche im Business könnten die Kundengewinnung, Selbstmarketing oder das Integrieren von mehr Work-Life-Balance sein. Wie wäre es mit diesen kleinen Zielen?

# 5 neue Kontakte auf LinkedIn

# 1 Instagram-Post pro Tag / Woche / Monat

# 1 Blogbeitrag pro Woche / Monat

# 1 Instagram-Beitrag pro Tag liken

# 1 netten Kommentar auf einen Social Media Post geben

# 1 Kundenanruf / Woche

# 10 min / Tag für Kundengewinnung

# 10 min / Tag in Pflege der Bewerbungsunterlagen / Mediakit usw. für Freelancer investieren

# 10 min / Tag für Weiterbildung einplanen

# 10 min / Tag für das Erlernen einer Fremdsprache oder Verbessern von Sprachkenntnissen

Du denkst jetzt vielleicht, dass so kleine Aktionen nichts bringen. Damit befindest du dich in guter Gesellschaft. Mancher wird solche Mini-Aktionen sogar als lächerlich wenig bezeichnen. Fakt ist, dass es bei vielen funktioniert und wir dadurch unser Gehirn ein wenig austricksen können. Stephen Guise schreibt in seinem bereits erwähnten Buch weiter: „Indem wir klein beginnen, zeigen wir unserem Verstand, dass der Schritt aus der Komfortzone kein unüberwindbares Hindernis darstellt.“. Wenn kleine Aufgaben schnell abgearbeitet werden können, verbuchen wir das als Erfolg. Das steigert unsere Zufriedenheit und Selbstwirksamkeit. Wir merken, dass wir etwas erreichen und schaffen können. Wir fühlen uns nicht länger als Versager. Weil wir heutzutage oftmals an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen müssen, bieten Mini-Aktionen eine ideale Möglichkeit. So können problemlos mehrere verschiedene Mini-Aufgaben aus den unterschiedlichsten Bereichen gleichzeitig integriert werden. So kommt man in kleinen Schritten in diversen Bereichen des Lebens oder Berufs voran.

Mich persönlich begeistert an Mini-Aktionen der Fakt, dass ich ins Handeln komme. Wenn ich einmal angefangen habe, dann ergeben sich manchmal noch andere Sachen von ganz allein. Oder ich finde gleichzeitig noch die Lösung für ein lang bestehendes Problem. Ich versuche mir immer klar zu machen, dass die Richtung oder Tendenz stimmen muss. Wenn ich pro Tag auch nur 10 min in die Kundengewinnung investiere, so ist das mehr als gar keine Zeit darin zu investieren. Die Formel ist also >0. Also, überhaupt irgendetwas zu machen – und mag es auch noch so wenig sein – ist besser als gar nichts zu machen. Außerdem nimmt es mir auch den Druck, mich mit anderen zu vergleichen und gibt mir die Freiheit, auch einmal mit weniger zufrieden zu sein.

Quellen und Links

Guise, Stephen: „Viel Besser als gute Vorsätze: Wie Sie mit Mini-Gewohnheiten Maxi-Erfolge erleben“, VAK, 160 S.