Kennst du diese Momente, in denen du voller Selbstzweifel alles in Frage stellst? Auch das, was du schon alles erreicht hast? Meistens komme ich schnell wieder aus diesem Motivations-Loch heraus. Doch manchmal braucht es mehr. Dann muss ich meinen inneren Kritiker in die Schranken weisen. Da helfen oft nur ungewöhnliche Methoden.

Er kommt immer unangemeldet.

Und wenn er dann schon einmal da ist, macht er es sich auch richtig gemütlich.

Manchmal ist er einfach nur da, ohne etwas zu sagen.

Manchmal gibt er mir unaufgefordert kluge Ratschläge.

Ja, so ist er – mein innerer Kritiker.

Zuerst waren es nur ein paar negative Gedanken, die ich schnell wieder verscheuchen konnte. Aber plötzlich höre ich diese vertraute Stimme in meinem Ohr.

„Du wirst es nie schaffen. Hörst du, nie!!!!, flüstert er mir spöttisch ins Ohr.

Wütend schlag ich auf den Tisch. Am Liebsten möchte ich mich jetzt verkriechen. Irgendwie hat er doch recht. Ich bin einfach nicht gut genug. Realistisch betrachtet, kann ich mit der Konkurrenz einfach nicht mithalten. Mitten in der Midlife Crisis will ich beruflich neu durchstarten? Und dann auch noch selbständig sein? Jetzt mitten in der Krise? Das nenne ich Selbstüberschätzung. Ach was, Hochstapelei! Ich habe doch von Tuten und Blasen keine Ahnung!

Ich fühle mich hilflos. Niemals hätte ich gedacht, dass er nochmal aufkreuzt. Hatte ich ihm nicht deutlich zu verstehen gegeben, dass er mich in Ruhe lassen soll? Ich kann mich noch gut an unser letztes Date erinnern. Es war an einem Montag. Und es hatte gerade geregnet. Er hatte mir mal wieder eindringlich zu verstehen gegeben, dass ich mich mit meinem Schicksal abfinden muss. Einmal Looser, immer Looser! „Tja, so ist das Leben.“, hatte er damals selbstbewusst verkündet. Er kann ein richtiger Stalker sein! In dem Moment wusste ich: Ich wollte mich nie wieder von diesem Kritiker beraten lassen. Ich musste eigene Wege gehen. Ohne ihn!!!! Eine lange Zeit ging es gut. Ich kam voran. Aber dann kam alles anders. Längst überwundene Ängste machten sich in mir wieder breit. Panik stieg in mir auf. War alles umsonst gewesen? In letzter Sekunde besann ich mich auf meinen Notfallplan.

„Wollen wir das nicht bei einem Tässchen Kaffee in aller Ruhe besprechen. Ich schaue in meinem Kalender, wann ich für dich Zeit habe. Wie wäre es nächsten Donnerstag um 14.30 Uhr?“, schlug ich ihm vor.

Zu meinem Erstaunen lehnte er sichtlich erschrocken ab. Damit hatte er nicht gerechnet. Hatte ich seinen wunden Punkt getroffen? Er steht eben immer gerne im Mittelpunkt. Win-Win-Situationen, bei denen beide Seiten profitieren, sind nicht so seins. Er verschwindet so schnell, wie er gekommen ist.

Seither traut er sich nicht mehr in meine Nähe. Falls er wiederkommen sollte, frage ich ihn einfach, wie er sich so fühlt als abgewiesener innerer Kritiker. Vielleicht können wir ja irgendwann Freunde sein.